Time to listen

Alle schauen gespannt auf die Präsidentschaftswahl in den USA. Wieviel daran hängt ist uns hier in Europa nur in einem gewissen Maß bewusst. Ich stelle mir das Stresslevel einiger Amerikaner*innen vor, bei denen es definitiv um mehr geht als nur die Frage wer der nächste Präsident sein wird.

Die USA ist in der Mitte gebrochen, das zeigen die vorläufigen Wahlergebnisse allemal. In den letzten Monaten hat sich die angespannte Lange, wie wir alle mitbekommen haben, vermehrt zugespitzt. Und selbst uns hier in Europa dazu gebracht unsere Gesellschaft zu hinterfragen und uns an die eigene Nase zu greifen. Worauf wir hinauswollen: struktureller Rassismus. Sowohl dort, wo am 25. Mai diesen Jahres George Floyd durch Polizeigewalt zu Tode kam und eine Welle an Protesten die bürgerkriegsähnliche Zustände verursachten – als auch hier im eigenen Land.

Wir haben im Sommer in einem Blogbeitrag dazu unsere Gedanken geteilt. Wir suchten nach Menschen, die sich durchaus durch strukturellen Rassismus benachteiligt fühlen und fragten nach ihrer Meinung und um ihren Rat – was können wir alle (besser) machen? Uns war es wichtig Raum zu machen für Stimmen, die nicht gehört werden. Die meisten von uns sind sich ihres weißen Privilegs bewusst und auch der Tatsache, dass Belehrungen nicht helfen, wenn man selbst nicht betroffen ist von dem Problem. Im Gegenteil – es kann Teil des Problems sein. Also was tun?

Nun, fünf Monate nach den größten Ausschreitungen ist es leider so gekommen wie wir befürchtet hatten – es wurde viel protestiert, die mediale Aufmerksam hierzulande war maximal. Aber was hat sich geändert? Leider wenig. Leider stehen wir heute immer noch hier und müssen trotz der Erfahrungen der letzten Monate dabei zusehen, dass Trump tatsächlich (egal wie der Ausgang sein wird) ein Kopf-an-Kopf-Rennen hingelegt hat in den USA. Die mediale Aufmerksam kehrt dem Konflikt nach einer kurzen Zeit wieder den Rücken zu und richtet sich auf Covid-19, und so sind sowohl friedliche Demos als auch Ausschreitungen innerhalb unseres Landes versiegt. Dass wir auch daran nicht ganz unbeteiligt sind, müssen wir uns auch irgendwie eingestehen. Oder dürfte man sich zumindest fragen: Gehe ich zu Demos, engagiere ich mich, widerspreche ich anderen, die eindeutige oder unterschwellige Aussagen über ‘Ausländer’ machen? Weiß ich genug über kulturelle Aneignung, Kolonialismus und Fluchtursachen? Die Wenigsten, einschließlich uns, können alle Fragen mit “Ja” beantworten. Aber nur dann könnten wir eigentlich ein bisschen sicherer sein, dass wir nicht Teil des Problems sind! Klingt anstrengend – ist es auch.

Was uns dabei hilft sind die Stimmen, die wir gesammelt haben. Wir müssen zugeben, wir haben erwartet mehr Erfahrungswerte sammeln zu können als uns erreicht haben. Dass ‘Betroffene’ müde sind zu erklären was sie brauchen oder was sie alles Schlimmes erlebt haben ist aber irgendwie auch verständlich. Doch wie unterschiedlich Auffassung, Einstellung, Erlebnisse, Erfahrungen eben auch sein können, und wer überhaupt was zu sagen hat, das hat sich spätestens dann für uns dargestellt, als wir unseren Befragten zugehört haben. Wir legen euch daher ans Herz in den kommendenen Tagen mal einen besonderen Blick auf unsere Social Media Kanäle zu haben. Dort teilen wir die unterschiedlichen und breit gefächerten Erfahrungen bzw. Sichtweisen zweier Menschen, die uns ihren Einblick erlaubt und anvertraut haben. Denn das ist es ja auch worum es uns geht: Nicht viel schnacken – lieber zuhören und daraus etwas mitnehmen! :)

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